Lange bevor Fleetwood Mac jene ätherisch perlenden Pop-Hymnen der späten 70er und 80er schufen, existierte eine völlig andere Band – roh, geheimnisvoll und zutiefst verwurzelt im britischen Blues. Es war die Ära, in der Namen wie Peter Green, Bob Welch oder Bob Weston das Klangbild prägten; eine Zeit, in der Lindsey Buckingham und Stevie Nicks noch nicht einmal am Horizont erschienen waren. John McVie, seine spätere Frau Christine McVie und Mick Fleetwood bildeten das Fundament – doch es waren Greens spirituell aufgeladene Gitarrenlinien, Welchs flirrende Harmonien und Westons atmosphärische Akzente, die den frühen Sound in mystische Sphären trugen.
Fleetwood Mac – Als der Nebel noch blau schimmerte
Die mystische Frühphase einer Band, bevor sie zum globalen Pop-Phänomen wurde…
„Hypnotized“ klingt wie der Soundtrack zu einem flirrenden Nachmittag in Palm Springs: Mid-Century-Modern-Häuser unter gleissendem Sonnenlicht, die Luft flimmert über dem dunklen Asphalt, Klimaanlagen brummen monoton, während ein heisser Wüstenwind die Palmen sanft bewegt.
Auf einem Liegestuhl mit zitronengelben Stoff im satten Grün des Rasens liegt man beinahe allein in der Nachmittagshitze. Der Swimmingpool glitzert in tiefem Blau, die Wellen reflektieren an einer Betonwand – und irgendwoher schleicht sich diese Musik heran. Schwer, schwebend, fast bewusstseinserweiternd. Ein Song, der nicht einfach läuft, sondern einen langsam umnebelt.
„Albatross“, Greens ikonisches Instrumental, malt eine völlig andere Szenerie: die Gelassenheit eines spätnachmittäglichen Meeres, nachdem der Sand die Füsse am Mittag noch verbrannt hatte. Jetzt herrscht Ruhe. Die Gedanken sind fort, zurückbleiben leichte Salzwellen, kreisende Möwen, die Andeutung eines kommenden Sonnenuntergangs. Ein Stück wie ein Freiflug – weit, ungebunden, ätherisch.
Und dann ist da „The Green Manalishi“: ein Ausbruch, ein Fiebertraum, ein lautes Echo einer Party in den Hollywood Hills. Das BBQ ist längst verklungen, dafür erstrahlen nun grelle Farben, dröhnen tiefe Bässe, schaukeln Körper im Pool auf Luftmatratzen, während andere sich an Cocktailgläser klammern. Stimmen reden durcheinander, alles wird lauter, wilder, unkontrollierbarer. Der Song mutet an wie eine düstere, ekstatische Fortsetzung von „King of Hollywood“ (The Eagles) – nur getrieben von einem dunkleren Puls.
Diese Phase von Fleetwood Mac entzieht sich einfachen Definitionen. Sie war Blues, ja – aber ein Blues, der mit britischem Rock verästelt war, durchzogen von psychedelischen Schatten und metallisch schimmernden Traumsequenzen. Songs wie „Albatross“, „The Green Manalishi“ oder „Hypnotized“ wirkten weniger wie klassische Kompositionen denn wie Portale in andere Landschaften.
Hört man diese frühen Stücke heute, entfalten sie nicht einfach Klang – sie erzählen. Sie ziehen Hörer hinein in audiovisuelle Traumlandschaften und lassen sie erst los, wenn der letzte Ton verhallt, die LP leerläuft und das vertraute Knistern der Rille die Rückkehr in die Realität markiert.





































