Der Sound der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre war mehr als Unterhaltung. Er war Aufbruch, Freiheit, Leidenschaft und Rebellion. MTV zeigte noch Musikvideos, Konzerte waren laut und ausschweifend, Nächte schienen endlos. Die Musiker dieser Zeit wirkten jung, wild und unverwundbar.
Lou Gramm von Foreigner besass eine Stimme, die ganze Arenen füllte. Stevie Nicks verkörperte Mystik, Poesie und grenzenlose Freiheit. Tom Keifer von Cinderella sang nach durchlebten Nächten und zerbrochenen Herzen. Frank Hannon von Tesla liess seine Gitarre sprechen, während Ted Nugent bei den Damn Yankees den kompromisslosen Geist des Hardrocks verkörperte.
«Es gibt Musik, die wir hören. Und es gibt Musik, in der wir gelebt haben.»
Heute sind aus den jungen Rebellen ältere Herren und Damen geworden. Die Gesichter tragen Spuren, die Bewegungen sind bedachter, Stimmen haben sich verändert. Krankheiten, Verluste und persönliche Kämpfe haben auch vor unseren Helden nicht Halt gemacht – Doch, die Leidenschaft ist geblieben.
Wenn Lou Gramm heute einen seiner grossen Songs singt oder Stevie Nicks über eine Bühne schreitet, genügt oft ein einziger Klang – und alles ist wieder da: das MTV-Logo, Poster an der Wand, Kassetten, CDs, der Geruch nach Rauch und Bier und das Gefühl, dass diese Nächte niemals enden würden.
Vielleicht halten wir deshalb so sehr an dieser Musik fest. Nicht, weil wir die Gegenwart ablehnen, sondern weil wir wissen, dass sich diese Zeit nicht wiederholen lässt. Man kann dieselben Songs hören und alte Musikvideos ansehen. Doch man kann nicht wirklich zurückkehren – Denn nicht nur die Musiker sind älter geworden; wir sind es auch.
In ihren veränderten Gesichtern erkennen wir unsere eigene Vergänglichkeit. Ihre leiseren Schritte erzählen auch von den Jahren, die hinter uns liegen. Doch Musik altert anders als Menschen. Ein Song bleibt für immer jung.
Diese Musik ist deshalb mehr als Erinnerung. Sie ist Nostalgie, Zeitmaschine und Vermächtnis. Sie bewahrt nicht nur den Klang einer Epoche, sondern auch die Menschen, die wir damals gewesen sind: jung, frei und überzeugt davon, dass noch unendlich viel Zeit vor uns liegt.
Die Musiker können uns die Jugend nicht zurückgeben. Aber sie können uns für die Dauer eines Songs wieder spüren lassen, wie sie sich angefühlt hat.

