Mit dem Musikvideo zu „Angry“ liefern The Rolling Stones weit mehr als nur einen klassischen Videoclip zu ihrer ersten Single aus dem Album «Hackney Diamonds». Die britischen Rocklegenden inszenieren eine visuell aufgeladene Hommage an den legendären Sunset Strip im Westen Hollywoods – jenem ikonischen Boulevard, der über Jahrzehnte hinweg als Epizentrum von Rock’n’Roll, Exzess und Celebrity-Kultur galt.

Vorbei an gigantischen Billboards, den berühmten Rockclubs Whisky a Go Go, The Roxy oder dem Rainbow Bar & Grill entfaltet sich eine Zeitreise durch die goldenen Jahrzehnte des Sunset Boulevard. Selbst das gelb leuchtende Carney’s Trainwagon neben dem ehemaligen Hyatt „Riot House“ – heute das Andaz West Hollywood – wird Teil dieser cineastischen Liebeserklärung an eine Ära, in der Rockstars den Strip regierten.

Die Rolling Stones verwandeln die berühmte Strasse dabei gekonnt in eine interaktive Bühne. Die riesigen Werbetafeln werden lebendig, historische Performance-Aufnahmen der Band verschmelzen mit der Gegenwart, während Wahrzeichen wie der Sunset Tower oder der Strip selbst zum zentralen Schauplatz werden. „Angry“ funktioniert dadurch nicht nur als Musikvideo, sondern als perfekte Metapher für eine längst vergangene Zeit der 80er- und 90er-Jahre – glamourös, laut und hemmungslos.

Im Mittelpunkt steht Schauspielerin Sydney Sweeney, die in einem roten Mercedes-Benz 560 SL über den Boulevard fährt. Sie verkörpert visuell genau jenen Lifestyle, der vor rund 40 Jahren entlang dieses Straßenabschnitts zelebriert wurde: Freiheit, Luxus, Sex-Appeal und das unberechenbare Lebensgefühl von Los Angeles nach Sonnenuntergang.

Fun Fact:
Hätte man statt des deutschen Mercedes auf einen amerikanischen Ford Mustang gesetzt, wäre die Hommage an den klassischen Southern-California-Lifestyle wohl noch besser zur Geltung gekommen.

Fact:
Neben viel Lob sorgte das Video allerdings auch für Diskussionen. Kritiker warfen dem Clip vor, Sydney Sweeney zu stark zu objektifizieren. Die Schauspielerin selbst widersprach dieser Lesart jedoch deutlich und bezeichnete ihre Darstellung als „Empowerment durch die Akzeptanz meines Körpers“. 

Mit „Angry“ beweisen The Rolling Stones einmal mehr ihr Gespür für Ikonografie. Das Video ist nicht nur ein nostalgischer Roadtrip über den Sunset Strip, sondern zugleich ein Spiegelbild dessen, was Rock’n’Roll einst bedeutete – und vielleicht bis heute bedeutet.

0
0