Als sich zwei jugendliche Musikbegeisterte Anfang der 1960er-Jahre in der Londoner Bromley Technical High School kennenlernen, ahnt niemand, dass hier eine der ungewöhnlichsten Freundschaften der Rockgeschichte beginnt.  David Bowie der später zu einem der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts werden sollte, und Peter Frampton, der spätere „King of the Talkbox“, sassen gemeinsam im Kunstunterricht, träumten von Musik – und machten sie auch zusammen.

Bereits in der Schulzeit verband die beiden mehr als nur das gemeinsame Umfeld. Es war Bowie, der dem jüngeren Frampton die Welt der frühen Rock-’n’-Roll-Ikonen öffnete. Buddy Holly, Eddie Cochran – Namen, die Frampton bis dahin nur am Rande kannte, aber die Bowies Herz schneller schlagen liessen. Frampton erinnerte sich später in seiner Biografie „Do You Feel Like I Do”, wie Bowie ihm diese Künstler „mit der Energie eines Missionars“ nahebrachte. Für Frampton ein Erweckungsmoment – für Bowie schlicht das Teilen einer Leidenschaft.

Wenn Bowie auf seiner Gitarre Akkorde anschlug und Frampton versuchte, die Melodien aufzunehmen, entstand eine Art Schülerband im Kleinen. Zwei Teenager, die sich gegenseitig anspornten und den Grundstein dafür legten, was später zu bemerkenswerten Karrieren werden sollte.

Während Bowie früh in experimentelle musikalische Sphären abtauchte und schließlich zum Chamäleon des Pop wurde, ging Frampton zunächst den Weg des klassischen Gitarrenhelden. Mit seiner Talkbox prägte er einen der ikonischsten Sounds der 1970er-Jahre und wurde mit dem Live Album «Frampton Comes Alive!» zum Superstar – doch der schnelle Ruhm führte auch zu einer Phase der Stagnation und Orientierungslosigkeit.

Und hier trat Bowie wieder ins Bild – 1987 plante Bowie seine spektakuläre «Glass Spider Tour», eine visuelle und musikalische Überwältigung. Für die Rolle des Leadgitarristen wählte er nicht irgendeinen Virtuosen – sondern seinen alten Schulfreund. Frampton wurde nicht nur Teil der Band, Bowie stellte ihn auch als Support-Act vor, weitab von dem Image, das ihn einst in die Stadien katapultiert hatte.
Für Frampton war es mehr als nur ein Job: Es war eine Rückkehr ins Rampenlicht, eine zweite Chance. Er sagte später, Bowie habe ihm „die Tür zu sich selbst wieder geöffnet“.

YouTube Video by: patriciaA1964

Doch die wohl eindrücklichste Episode dieser Freundschaft spielte sich abseits der Bühne ab. Während der Tour warteten Bowie und Frampton in einem Privatjet auf den Start, als plötzlich Rauch aus der Kabine quoll. Frampton war angeschnallt, einen Moment zu langsam – Bowie jedoch reagierte instinktiv.

Er packte Frampton, hob ihn regelrecht aus seinem Sitz und zog ihn hinaus aus dem Flugzeug, Sekunden bevor die Situation eskalieren konnte.

Er hat mir das Leben gerettet“, schrieb Frampton später in seiner Biografie. „Ohne ihn wäre ich heute vielleicht nicht hier.“

Titelbild: Ebet Roberts/Redferns via Getty Images

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