18 Saiten, 6 Hände, 30 Finger – und drei Gitarrenikonen in Hochform

Mit Trey Anastasio, Grace Bowers und Peter Frampton standen beim Festival «Love Rocks NYC» gleich drei Ausnahmegitarristen gemeinsam auf der Bühne – und lieferten eine Darbietung ab, die man so nicht alle Tage zu hören und zu sehen bekommt. Drei Musikerpersönlichkeiten, drei unterschiedliche Handschriften, drei Solostimmen – vereint in einem einzigen, nahezu zwölfminütigen Ausnahme-Moment voller Gefühl, Virtuosität und Herzblut.

Im Zentrum steht der legendäre Song „While My Guitar Gently Weeps“, der in dieser Version zu einem wahren Gipfeltreffen des Gitarrenspiels wird. Zugegeben: Das Stück hatten wir schon einmal in der Ausgabe Awesome Guitar Parts #10 mit Prince, Tom Petty und Gefolgschaft. Doch diese neue Interpretation mit Trey Anastasio, Grace Bowers und Mr. Talkbox Peter Frampton überrascht auf ganzer Linie – und setzt dem Song noch einmal eine ganz eigene, beeindruckende Krone auf.

Jede und jeder der drei spielt innerhalb dieses knapp zwölfminütigen Stücks nicht einfach nur ein Solo, sondern bringt eine eigene musikalische Erzählung mit auf die Bühne. Es sind Solokompositionen voller Improvisation, Ausdruck und Persönlichkeit. Jeder einzelne Beitrag überzeugt, zieht in den Bann und fesselt vom ersten bis zum letzten Ton. Man wippt mit dem Fuss, verfolgt gebannt die fünf Finger auf dem Griffbrett und saugt förmlich jede einzelne Note in sich auf.

Besonders faszinierend ist dabei, wie sehr sich das Innenleben dieser Performance in den Gesichtern der Protagonisten widerspiegelt. Was hier geboten wird, ist nicht bloss gespielt – es wird gelebt, gefühlt und mit voller Hingabe vermittelt. Diese Emotionen, diese Intensität, dieses gemeinsame Gitarrenjamming auf allerhöchstem Niveau: Das ist kein routinierter Bühnenmoment, sondern ein musikalisches Statement. Und zwar eines, das sich mit gleich drei Gitarrenstimmen gleichzeitig auf der Bühne entfaltet.

Trey Anastasio bringt seine unverkennbare Mischung aus melodischer Freiheit, technischer Raffinesse und improvisatorischem Gespür ein. Sein Solo wirkt suchend, fliessend, spannungsgeladen – und doch stets kontrolliert. Peter Frampton, der als „Mr. Talkbox“ längst Musikgeschichte geschrieben hat, verleiht dem Stück jene klassische Grösse, jene emotionale Reife und Souveränität, die nur ein Musiker seines Formats ausstrahlen kann. Sein Spiel ist ausdrucksstark, warm und voller Erfahrung.

Und dann ist da Grace Bowers – mit blonder Strubbelmähne, jugendlicher Frische und bemerkenswerter Präsenz. Sie hält in dieser hochklassigen Jamsession mit den beiden Herren nicht nur mühelos mit, sondern erweitert das Geschehen mit einer ganz eigenen Note. Ihr bluesiges, ungekünsteltes und zugleich erstaunlich reifes Solo bringt zusätzlichen Charakter in diese Performance. Sie ergänzt nicht nur – sie setzt Akzente. Quasi out of the box bringt sie ihre Energie und ihre Klangfarbe mit ein und beweist eindrucksvoll, warum sie zu den spannendsten jungen Gitarristinnen der Gegenwart gehört.

Was diese Darbietung so besonders macht, ist nicht allein die Klasse jedes Einzelnen, sondern das Zusammenspiel als Ganzes. Da sitzen drei Ikonen mit ihren Gitarren auf der Bühne und zeigen in einer Zeit von KI, Computern und digitaler Perfektion, was echtes, handgemachtes Musizieren bedeutet.
Feinste Instrumentalkunst wird hier audiovisuell in Szene gesetzt – roh, lebendig, direkt und voller Seele. Jeder Einzelne könnte für sich glänzen, doch gemeinsam erschaffen sie etwas, das grösser ist als die Summe seiner Teile.

Dieses Trio macht aus dem Beatles-Klassiker „While My Guitar Gently Weeps“ aus dem Jahre 1968 keinen blossen Covermoment, sondern ein emotionales Gitarrenereignis. Drei Künstler, drei Stimmen, drei Herzen – und ein Song, der in dieser Version noch lange nachhallt.

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