V I VII VII III – Dies ist der Code für wahre Musikleidenschaft und steht als Synonym für den Namen ELLIS in umgekehrter Reihenfolge und als römische Zahlenfolge für die Buchstaben des Namens und sie versprechen eines: Gitarrensound der legendärsten und besten Art im Rockbusiness. 

Das Gitarrenspiel des Musikers Michael «DOC» Ellis ist weniger Technikdemonstration als vielmehr ein emotionaler Dialog – zwischen Musiker, Instrument und Publikum. Jeder Ton, den er seiner Gitarre entlockt, scheint aus einem inneren Spannungsfeld heraus geboren zu werden.
Seine Soli wirken nicht geplant oder kalkuliert, sondern entstehen im Moment, roh, ehrlich und kompromisslos. Man hat das Gefühl, als würde Ellis seine Emotionen ungefiltert über die Saiten nach aussen tragen.

«Seine Soli entstehen im Moment, roh, ehrlich und kompromisslos….»

Gepaart mit seiner ausdrucksstarken Mimik und kraftvollen Gestik entsteht ein Gesamterlebnis, das weit über reines Gitarrenspiel hinausgeht. DOC Ellis, wie er auch genannt wird, schlägt seine straighten Riffs mit einer Selbstverständlichkeit an, die sofort unter die Haut geht, während die rauchende Zigarette lässig im Mundwinkel hängt oder provokant am Griffbrett seiner Gitarre platziert ist – ein Bild, das sich einprägt.

Besonders legendär ist sein Medley, das regelmässig im Club The Vamp zelebriert wurde. Darin verbindet DOC die Songs «Anything, Anything» (Orig. von Sidewalk Surfers), «Plowed» (Orig. von Sponge), «Miserlou» (Orig. von Dick Dale) und «Runaway» (Orig. von Del Shannon) zu einer musikalischen Reise durch Rockabilly-, Surf- und Punk-Klassiker. Mit Spiellängen von jeweils über sieben bis acht Minuten entwickelt er diese Stücke weit über ihre Originalfassungen hinaus, improvisiert, variiert Tempi und Dynamik und verleiht jedem Song eine eigene, unverkennbare Handschrift.

Youtube Video by: johnnymo526

Youtube Video by: Striker Daniel

Auffällig ist, wie sehr Ellis körperlich mit seinem Instrument verschmilzt. Er beugt sich über das Griffbrett, schliesst die Augen, spannt den Kiefer an – als würde er um jeden einzelnen Ton ringen. In diesen Momenten scheint er völlig abgeschottet von der Aussenwelt, nur noch verbunden mit dem Klang, der aus seinen Fingern fliesst. Und doch reisst er das Publikum genau dadurch mit: Man spürt diese innere Spannung, dieses „Jetzt-oder-nie“-Gefühl, das seine Soli antreibt.

Youtube Video by: Striker Daniel

In den ausgedehnten Solopassagen verliert sich die Zeit. Er zieht die Töne, lässt sie schreien, wimmern oder aggressiv aufbrechen, nur um sie im nächsten Moment wieder kontrolliert einzufangen. Vibrato, Bendings und Slides sind bei ihm keine Stilmittel, sondern Ausdrucksträger – jedes Element dient dazu, Gefühle zu transportieren.
Seine ausgedehnten Jamsessions sind geprägt von einer tiefen inneren Verbundenheit zur Musik. Er geht vollkommen in seinem Tun auf, verliert sich förmlich in Riffs und Soli und nimmt dabei die Zuschauer und Zuhörer mit auf eine gemeinsame Reise. Diese Unmittelbarkeit erzeugt eine seltene Nähe zwischen Künstler und Publikum – man wird nicht bloss beschallt, sondern aktiv Teil der Darbietung.

Über viele Jahre war Michael Doc Ellis das Aushängeschild der Sin City Sinners. Mit seiner kompromisslosen Bühnenpräsenz wurde er zum absoluten Liebling der Fans. Seine emotionale Gitarrenarbeit und seine charismatische Performance machten ihn zu einer prägenden Figur der Las-Vegas-Rockszene – und zu einem Musiker, dessen Auftritte nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Titelbild: Youtube Video by Striker Daniel

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