Die Europa-Tournee „IS THIS WHAT YOU’VE BEEN WAITING FOR?“ rollt derzeit unaufhaltsam durch den Kontinent – und machte gestern Abend Halt in The Hall Dübendorf – Ausverkauft;
Die Erwartungen: hoch. Schliesslich steht Amy Macdonald wie kaum eine andere für diese seltene Mischung aus Folk-Pop, Stadion-Refrains und dem unkaputtbaren Gefühl, dass ein Drei-Minuten-Song reichen kann, um einen ganzen Abend leicht zu machen.
Dass das neue Album denselben Namen wie die Tour trägt und bereits am 11. Juli 2025 erschienen ist, gab dem Konzert zusätzlich den Charakter eines Zwischenfazits: Rückblick und Gegenwart, Hand in Hand.

Musikalisch lieferte Macdonald genau das, wofür man sie seit knapp zwei Jahrzehnten feiert: dieser typische Macdonald-Drive, das schnörkellose Strumming, die klaren Melodiebögen, die sofort in „grösser“ denken. Das Set war ein stark gemischter Querschnitt: alte, weltbekannte Fixsterne wie „Mr. Rock & Roll“ und „This Is The Life“ standen neben mehreren Songs aus dem aktuellen Album „Is This What You’ve Been Waiting For?“. Gerade die neuen Stücke fügten sich erstaunlich nahtlos ein – weniger „Neustart“, mehr „Erinnerung daran, warum das damals so eingeschlagen hat“.

Und doch blieb über weite Strecken ein Widerspruch im Raum: Die Songs wollen nach vorne – die Show blieb stehen. Auf der grossen Bühne gab es kaum Interaktion, kaum Wege, kaum Gesten. Macdonald verharrte häufig nahe am Mikrofon, sang oft mit geschlossenen Augen – musikalisch konzentriert, emotional bei sich, aber visuell auffällig zurückgenommen. Ein Umstand, der ihr nicht ganz gerecht wird: Denn gerade ihre Präsenz, dieser direkte, offene Blick (den viele Fans seit den frühen Jahren noch immer im Kopf tragen), war immer Teil der Magie.

Am stärksten spürbar wurde das durch das Setting im Raum: Der Abend fand sitzend statt. Und so blieb vieles, was ihre Musik normalerweise auslöst – tanzen, aufspringen, mitschwingen, gemeinsam „die Fröhlichkeit spüren“ – von Beginn weg gedämpft. Die Dynamik wurde nicht aufgebaut, sondern eher verwaltet. Dabei wäre das Material prädestiniert für genau das Gegenteil: kollektives Mitgehen, Hände hoch, Beine locker, Lächeln im Takt.

Unterm Strich: eine solide, musikalisch starke Darbietung, deren Qualität nie ernsthaft wackelte – aber deren Energie im Raum zu selten wirklich zündete. Dass man die Songs auch heute noch gern hört wie vor 20 Jahren, ist keine Nostalgie, sondern ein Kompliment an ihre Haltbarkeit. Und wenn Macdonald am Ende sinngemäss wieder dieses Lebensgefühl setzt – „…this is the life“ – dann stimmt das musikalisch nach wie vor. Nur hätte dieser Abend mehr davon vertragen, es auch zu zeigen.

Setlist:
This What You’ve Been Waiting For? / Dream On / The Hudson / Spark / Mr. Rock & Roll / Fire / Pride / Run / I’m Done (Games That You Play) / Slow It Down / Poison Prince / Can You Hear Me? / Statue /Barrowland Ballroom / This Is the Life / We Survive (Encore) / The Glen (Encore) / Let’s Start a Band (Encore)

Support: Better Joy
Eröffnet wurde der Abend von Bria Keely, besser bekannt als Better Joy – ein quirliges Manchester-Girl, das mit Gesang und Gitarre einen zeitgemässen Indie-Pop auf die Bühne brachte. Und hier passierte das, was später im Hauptset stellenweise fehlte: Kontakt. Schon ab dem ersten Song interagierte sie nicht nur innerhalb der Band, sondern suchte aktiv den Draht ins Publikum.

Es waren die kleinen, verspielten Details ihrer Performance: verstohlene Blicke ins Publikum, ein stimmiges Outfit, der gezielte Einsatz von Gitarrenpassagen, die nicht nur begleiten, sondern Spannung erzeugen. Keelys Art hatte sofort etwas Sympathisches, dieses „Willkommen“-Gefühl, das ein Support selten so schnell auslöst. Kurz: ein überzeugender Einstieg, der den Abend eigentlich auf genau jene Spur setzte, auf der man später gern weitergerollt wäre.

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